Mischa Maisky Violoncello

Biographie

Die Biografie des Cellisten Mischa Maisky liest sich wie ein Kriminalroman. Als lettischer Jude in der Sowjetunion geboren und aufgewachsen, schien er zu einem Aussenseiterdasein verdammt zu sein. Seine Familie bekam die Härte des Systems zu spüren, als die Schwester 1969 nach Israel auswanderte. Aus fadenscheinigen Gründen wurde der junge Maisky zu vierzehn Monaten Arbeitslager verurteilt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits den berühmten Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau gewonnen. Nur mit Hilfe eines befreundeten jüdischen Arztes, der ihn wegen „Unzurechnungsfähigkeit“ in eine psychiatrische Anstalt einweisen liess, entging Maisky seinem fragwürdigen Strafurteil und dem Wehrdienst beim sowjetischen Militär.

Einen Teil seiner Kunst hat Mischa Maisky seinem Lehrer Mstislav Rostropowitsch zu verdanken. Im Rückblick spricht er von einer „harten und zugleich herzlichen Ausbildung“. Trotzdem mag er es überhaupt nicht, als „neuer Rostropowitsch“ bezeichnet zu werden. Wohl ist er dem kürzlich verstorbenen grossen Meister dankbar, dass er ihm zahlreiche Türen geöffnet hat. Seine Dankbarkeit gilt aber genauso Gregor Piatigosky, von dessen Talent er ebenfalls profitieren konnte. Dies obwohl die beiden Cellisten ein völlig unterschiedliches Temperament aufweisen. 1972 emigrierte Mischa Maisky wie seine Schwester nach Israel. Daniel Barenboim, Zubin Mehta und Martha Argerich unterstützten den Exilanten im harten Kampf, auf den internationalen Konzertpodien Fuss zu fassen. Heute lebt der musikalische Kosmopolit mit sich und der Welt in Einklang. Seine Kinder kamen in Paris und Brüssel zur Welt. Er selber spielt ein italienisches Cello mit französischem Bogen sowie Saiten aus Österreich und Deutschland, fährt einen japanischen Wagen, trägt eine Schweizer Uhr und eine indische Halskette. Damit verkörpert er das Ideal der Vereinten Nationen.

Zu Mischa Maiskys zahlreichen ungewöhnlichen Projekten gehörte sicherlich der atemberaubende Bach-Marathon in Zürich im Jahr 2000. An einem einzigen Tag spielte er in drei aufeinander folgenden Konzerten sämtliche Cello-Werke des Kantors von St. Thomas. Ein derart verrücktes Projekt ist typisch für ihn. Seine Suche nach dem optimalen Ausdruck bringt er auf die einfache Formel: „In der Musik wie im Leben ist der Puls das Wichtigste.“ Der Cellist ist für seine wilde Lockenmähne, seine Bühnenkleidung mit den weit offenen Hemden des Designers Issey Miyake, vor allem aber seine ausserordentlich engagierten Interpretationen der Meisterwerke des grossen Repertoires berühmt. In Saanen wird er mit zwei ebenfalls aus dem Baltikum stammenden Kammermusikern zusammenspielen – dem Violinisten Julian Rachlin und dem Pianisten Itamar Golan. Wie alle „grossen Meister“ brilliert der Poet mit dem Bogen in der Hand mit diesem Repertoire.

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